DARMSTADT - DIEBURG

„Meine Statuen sind wie meine Kinder

Seit Samstag steht „Der Müller" auf Pfungstadts „Place de Gradignan" -
Ein Werk von Danielle Bigata

  19-05-03                    dbmuller.jpg (34101 octets)           Darmstadter Echo

„Der Müller ° heiBt die Skulptur der franzôsischen Künstlerin Danielle Bigata, die seit Samstag auf dem Platz zwischen den Hillgassen enthüllt wurde. Auf einer kleinen Feier wurde der Platz in zu Ehren der franzôsischen Partnerstadt in „Place de Gradignan ° umbenannt.    FOTO: RICHARD PHILIPP

 

PFUNGSTADT. „Meine Statuen sind wie meine Kinder", sagt Danielle Bigata, die franzôsische Bildhauerin aus Pfungstadts Partnerstadt Gradignan. Übers Wochenende war sie mit Bürgermeister Michel Labardin und einer Delegation nach Pfungstadt zur Enthüllung ihres Werkes „Der Müller" gekommen. Dieser steht jetzt auf dem kleinen Platz zwischen den beiden Armen der Hillgasse, der am Samstag zu Ehren der Partnerstadt „Place de Gradignan" getauft wurde. Gleich nach ihrer Ankunft am Freitag hatte Bigata nach ihrer Statue gesehen, die seit vergangenem Montag verhüllt auf dem neuen Platz stand.

Die Idee zur Statue des Pfungstâdter Müllers entstand vor zwei Jahren im Gesprâch mit Pfungstadts Erster Stadtrâtin Barbara Holder. Gesucht wurde dabei nach einem identifikationsfâhigen Symbol für Pfungstadt. Heraus kam der Müller in Erinnerung an die lange Mühlentradition der Stadt. ,Für den Müller hatte ich kein Modell- er entstand in meinem Kopf", erzâhit die Künstlerin, die in einem alten Haus etwas ausserhalb von Gradignan ihr

Zuhause und ihr Atelier hat. Mit der Skulptur des Müllers wollte sie Heiterkeit und Zufriedenheit, die ihm sein Handwerk geben, an den Betrachter vermitteln.

Kraftvoll ist der muskulôse Kôrper, dem man allerdings die jahrelange schwere Arbeit ansieht. Mit seinen Hânden prüft er das Mehl, lâchelt den Betrachter ironisch an. „Ich hoffe, dass meine Statue hilft, diesen Platz zu beleben", merkt Bigata an. Die Bildhauerin ist in Pfungstadt keine Unbekannte, nachdem vor einigen Jahren in Zusammenarbeit mit dem. Kulturkreis DarmstadtDieburg im Rathaus eine Ausstellung ihrer Arbeiten gezeigt wurde. Viele Pfungstâdter erinnern sich noch an die Figur der Erdmutter Gaia aus schwarzem Marmor, die für einige Woche auf dem kleinen Platz vor dem Rathaus stand. Bürgermeister Horst Baier suchte damals nach Sponsoren, um die ,,Gaia" dauerhaft in Pfungstadt zu behalten. Fast wâre ihm das gelungen, doch sein damaliger Amtskollege in Gradignan René Canivenc kam ihm zuvor. Heute steht die monumentale Skulptur dort vor dem Rathaus. Neun Statuen aus Bigatas Werkstatt

schmücken inzwischen die Stadt bei Bordeaux. Danielle Bigata hat früher gern als Steinbildhauerin mit Marmor gearbeitet. Das hat sie inzwischen aufgegeben, weil diese Arbeit zu viel Kraft erfordert. Ihre letzte Marmorarbeit , ein 3,5 Tonnen schwerer „Ikarus" wurde am vergangenen Weihnachtstag in Langon/Südwestfrankreich aufgestellt. Nun arbeitet sie an Bronzefiguren, die sie nach ihren Entwürfen in einer spanischen Giesserei herstellen lâsst.

„Nach der vielen Arbeit im vergangenen Jahr, als ich neben dem Müller eine Aida-Statue für Gradignan geschaffen habe, lasse ich es dieses Jahr eher ruhig angehen, ich bin ja keine Figurenfabrik", sagt sie im Gesprâch. Sie will sich so die Leidenschaft für ihr Metier erhalten. Quelle der Inspiration zu neuen Arbeiten sind Bigatas ausgedehnte Reisen. So hat sie einige Zeit bei einem Pygmâenstamm in Afrika und bei südamerikanischen Indianern gelebt. Diese Eindrücke und Erfahrungen will sie nun künstlerisch verarbeiten.   ste

Claudia Stehle